Deutsch-polnische Gespräche am 7. Februar

Zu Gast bei unseren deutsch-polnischen Gesprächen am 7. Februar ist der Musik- und Geschichtswissenschaftler Sebastian Borchers. Er befasst sich ihm Rahmen eines Dissertationsprojektes an der Folkwang Universität der Künste in Essen mit der zeitgenössischen polnischen Musikszene der 1960er-Jahre, die in enger Beziehung zum Musikleben in der Bunderepublik Deutschland stand.

Ähnlich wie die politischen Ereignisse um die Solidarność-Bewegung ab 1980 einen neuen Zeitabschnitt in Polen einleiteten, kam es bereits schon früher im Zusammenhang des „Polnischen Oktobers“ 1956 zur Veränderung gesellschaftlicher Grundlagen. In Letztgenanntem Falle ging dieser Prozess wiederum mit einer Liberalisierung des Kulturbetriebs einher. Auf dem Gebiet der Musik betraf dieses, neben dem Aufleben der Jazz-Szene, insbesondere auch die elektroakustische Musik- und Orchestermusikszene. Komponierenden wie Tadeusz Baird, Kazimierz Serocki (den beiden Initiatoren des im Ostblock einzigartigen Internationalen Festivals Zeitgenössischer Musik „Warschauer Herbst“), Włodzimierz Kotoński und Witold Lutosławski, oder der damals jüngsten Generation um Henryk M. Górecki und Krzysztof Penderecki, wurde so auch der zuvor untersagte Austausch auch mit dem westlichen Musikleben wieder gestattet.

Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Beteiligung genannter polnischer Komponisten die gemeinhin dem Kreise der so genannten „Polska szkoła kompozytorska“ zugerechnet werden. Damals folgte auf wenige Jahre der Rezeption und Adaption international gängiger Kompositionsweisen schnell eine Phase der Modifikation. In deren Kontext war vor allem der künstlerische Umgang mit dem Element „Klang“, verbunden mit Erfahrungen aus der eigenen polnischen Musiktradition, bedeutend. Der Themenpunkt wird durch das Hören von Musikbeispielen sowie durch Einblicke in betreffende Partituren veranschaulicht.

Ein weiterer Punkt zielt auf die Bedeutung der Kontakte zum westdeutschen Musikleben und einer damit verbundenen Zusammenarbeit mit entsprechenden Musikinstitutionen ab: Denn, ungeachtet der schwierigen offiziellen Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland, trug die Partizipation am westdeutschen Musikleben wesentlich zur internationalen Reputation damals neuster polnischer Werke bei: Einerseits nahmen polnische Musiker ab 1957 regelmäßig an den renommierten Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik teil, bei denen die „internationale Musikavantgarde“ zusammenkam und sich über das Neuste austauschte. Andererseits engagierten sich Vertreter der großen Rundfunkanstalten, allen voran der SWF und der WDR, für die Belange der zeitgenössischen polnischen Konzertmusik. Sie erteilten Kompositionsaufträge und integrierten polnische Werke entsprechend in ihre Konzertreihen. Nicht außer Acht zu lassen ist auch die Unterstützung des westdeutschen Musikverlagswesen:. Ab 1958 setzte sich vor allem der Hermann Moeck Verlag, später auch Verlagshäuser wie B. Schott’s Söhne und C. F. Peters, zugunsten einer Verbreitung von Aufführungsmaterialien und Notenausgaben polnischer Provenienz ein. (Autor: Sebastian Borchers)

Gespräche und Musik am 07.02.2019, 19 Uhr,  im Café Cecilie, Potsdam, Benkertstr. 16 (Holländerviertel, nähe Bassinplatz).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.