Vom 1. bis 3. Juli 2026 widmeten sich die Projekttage Europa an der

Katholischen Marienschule Potsdam dem Schwerpunktthema Polen. Als Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. (GdpN-Sąsiedzi) – haben wir maßgeblich zur Gestaltung der Polen-Workshops beigetragen und Referentinnen und Referenten aus unserem Netzwerk gewinnen können. Unser Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern die deutsch-polnische Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit zu präsentieren, sondern ihre anhaltende Relevanz bis in die Gegenwart aufzuzeigen und natürlich neugierig auf Polen zu machen.

Die Oberschulleiterin, Andrea Herzig, eröffnete die Projekttage. Die polnische Botschaft übersandte zur Eröffnung eine Videogrußbotschaft, die von den Schülerinnen und Schülern mit viel Applaus bedacht wurde. Der Vorsitzende der GdpN-Sąsiedzi, Christian Schmidt, bedankte sich bei der Schulleitung, dass Polen in diesem Jahr Schwerpunkt der Projekttage ist und wies auf die Bedeutung Polens und die deutsch-polnischen Beziehungen hin, die auch zukünftige Berufsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler bedeuten.
Von der Teilung Polens bis zur Instrumentalisierung der Geschichte

Ein Workshop begann mit einem Überblick über die Teilungsgeschichte Polens und den Zweiten Weltkrieg, insbesondere den deutschen Überfall auf Polen und die daraus resultierenden Schäden. Anschließend wurde das Polen-Denkmal in Berlin und die Idee des künftigen Deutsch-Polnischen Hauses. Dabei wurde auch deutlich, dass die Erinnerung an die polnischen Opfer der deutschen Besatzungsherrschaft inzwischen stärker in den Mittelpunkt der deutschen Erinnerungskultur rücken sollte: In Berlin wurde deshalb 2025 ein temporärer Gedenkort für Polen 1939–1945 eröffnet; zugleich laufen die Planungen für einen dauerhaften Gedenkort und das Deutsch-Polnische Haus als Ort des Gedenkens, der historischen Aufklärung und der Begegnung. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der politischen Instrumentalisierung, aber auch Wirkung von Geschichte auf den einzelnen Menschen. Da der ursprünglich vorgesehene Referent kurzfristig erkrankte, übernahm Christian Schmidt, Vorsitzender der GdpN-Sąsiedzi, diesen Workshop spontan.

Ein weiterer Workshop befasste sich mit der Solidarność-Bewegung in Polen und ihrer Zusammenarbeit sowie ihrem Einfluss auf die Dissidenten in der DDR. Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność wurde für viele oppositionelle Gruppen in der DDR zu einem wichtigen Bezugspunkt, weil sie zeigte, dass sich auch außerhalb staatlicher Strukturen eine zweite Öffentlichkeit und dauerhafte gesellschaftliche Gegenmacht entwickeln konnte. Parolen wie „Lernt Polnisch!“ machten Anfang der 1980er Jahre sichtbar, wie stark der Freiheitsimpuls aus Polen auch in der DDR wahrgenommen wurde. Wolfgang Templin, ein Zeitzeuge, berichtete aus eigener Erfahrung – ein besonderes Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler, Geschichte aus erster Hand zu erfahren.
Die Transformation Polens im Vergleich zur DDR
Im Mittelpunkt eines Workshops mit Dr. Edward Wąsiewicz, österreichischem Honorarkonsul in Breslau, stand die Frage, wie sich in Polen die Transformation gestaltete. Dr. Wąsiewicz reiste eigens für diese Veranstaltung an und trat noch am selben Tag die Rückfahrt an – ein Engagement, für das wir sehr dankbar sind.
In der Gegenwart – wie sich die deutsch-polnische Polizeizusammenarbeit vor Ort gestaltet
Einen Einblick in die gelebte Zusammenarbeit von heute gaben Florian und

Mariusz, zwei Polizisten des Gemeinsamen deutsch-polnischen Polizeiteams Guben-Gubin (GPT). Sie erzählten von ihrem Arbeitsalltag und ihren positiven Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Das Besondere am GPT ist die Tatsache, dass sie beiderseits der Grenze agieren und zu ganz üblichen polizeilichen Einsätzen fahren.
Bei einem Ausflug ins Gemeinsame Zentrum der Zoll-, Polizei- und Grenzschutzzusammenarbeit in Słubice am Folgetag konnten die Schülerinnen und Schüler die unmittelbare Zusammenarbeit deutscher und polnischer Beamter hautnah erleben. In diesem modernen Zentrum arbeiten beide Nationen Seite an Seite. Zu den zentralen Aufgaben gehören der schnelle Informationsaustausch zu konkreten Einsatzanlässen und Straftaten sowie die Koordinierung grenzüberschreitender Maßnahmen. Damit wurde für die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie europäische Zusammenarbeit im Alltag funktioniert – nicht abstrakt, sondern ganz praktisch im Dienst der Sicherheit, so wie auch schon beim GPT.
Gemeinsam am Kochtopf
Auch kulinarisch wurde es deutsch-polnisch: Zwei Mitglieder der GdpN-Sąsiedzi unterstützten einen Kochkurs, bei dem auch polnische Spezialitäten zubereitet wurden.
Weitere Programmpunkte
Neben unseren Workshops beschäftigten sich einige Schülerinnen und Schüler mit dem polnischen Film „Ida“, der eine vielschichtige, nicht immer einfache Geschichte. Berührt. Dieser Workshop wurde von der Schule organisiert. Das Programm der Projekttage wurde außerdem durch Angebote zur böhmischen Geschichte des Potsdamer Ortsteils Babelsberg und einen Einblick in den ungarischen Tanz ergänzt. Das Polen-Mobil war ebenfalls vor

Ort und hatte so viele interessierte Schülerinnen und Schüler, dass der Klassenraum überfüllt war. Aber das meisterten die beiden vom Polen-Mobil sehr gut.
Und schlussendlich brachte Anna Krzyżanowska den Grundschülern die polnische Polonaise bei. Die Schülerinnen und Schüler hatten wirklich viel Spaß damit.
Unser Fazit
Drei Tage, ein abwechslungsreiches Programm und zahlreiche Begegnungen: Wir freuen uns, dass wir mit unserem Netzwerk dazu beitragen konnten, den Schülerinnen und Schülern der Katholischen Marienschule Potsdam ein umfassendes Bild der deutsch-polnischen Geschichte und Gegenwart zu vermitteln. Jetzt wissen sie mehr und haben vielleicht Lust, Polen zu bereisen.

Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten sowie der stellvertretenden Direktorin der Schule, Frau Dahlitz, für die gute Zusammenarbeit.

