Nachbarn begegnen sich – ein besonderes Wochenende der Sąsiedzi

Sąsiedzi heißt übersetzt Nachbarn. Für uns bedeutet das in erster Linie, sich zu begegnen, gemeinsam Unternehmungen zu veranstalten oder zusammen Erfahrungen zu machen. Die Idee des nunmehr bald zehn Jahre alten Vereins GdpN-Sąsiedzi bestand von Anfang an darin, dass er nicht nur ein deutscher Verein ist, der sich auf gesellschaftlich-politischer Ebene für das deutsch-polnische Verhältnis einsetzt. Es galt vielmehr, aus ihm einen Verein zu entwickeln, in dem sich Deutsche und Polen, Polen und Deutsche einfach wohlfühlen, egal, in welchem der beiden Länder sie ihren ständigen Wohnsitz haben. Anders ausgedrückt, unser Verein strebte immer auch die extrem wichtige, grundlegende Verständigung auf emotionaler Ebene an.

Inzwischen ist das Verhältnis von deutschen und polnischen Mitgliedern fast ausgewogen. Viele Polen sprechen Deutsch und viele Deutsche polnisch, daneben kann zur Not auch der Umweg über das Englische helfen. Und um sich zu begegnen, bedarf es nicht unbedingt eines aufwendig geplanten Projektes, sondern nur des guten Willens.

Am zweiten Septemberwochenende 2022 kamen wieder viele der polnischen

Vor dem Landtag in Potsdam
Vor dem Landtag in Potsdam

Mitglieder nach Deutschland. Wir hatten ein vielfältiges Programm gestrickt, das für alle interessant war. Es begann mit einer Führung durch den Brandenburger Landtag. Genau genommen waren es sogar zwei Führungen: Auf unsere Initiative hin hatte es die Landtagspräsidentin, Frau Dr. Liedtke, ermöglicht, dass wieder kostenlose polnischsprachige Führungen angeboten werden. Wohl mit die erste oder eine der ersten Gruppen waren wir. Zeitgleich gab es also eine

Im Landtag
Im Landtag Erklärungen über das Gebäude und die Politik darin

polnischsprachige und eine deutschsprachige Führung durch das sehenswerte Haus mit seiner außergewöhnlichen Geschichte und Architektur, in dem sich der Landtag befindet. Wir erfuhren viel über die Vergangenheit des Gebäudes und natürlich über das, was sich heute politisch im Landtag abspielt. Nicht nur für die deutschen, auch für unsere polnischen Mitglieder war das höchst interessant.

Die meisten polnischen und auch einige deutsche Mitglieder übernachteten in einem Hotel in Beelitz, denn das erste Ziel am Samstag war die

Beelitzer Spargel
Beelitzer Spargel – eine Kunstinstallation

Landesgartenschau (LAGA). Das großzügige Gelände ermöglichte uns bei herrlichem Sonnenschein einen entspannten Spaziergang zwischen üppigen Blumenrabatten, Nutzpflanzenanlagen, Streuobstwiesen und vielem anderen.

Vor dem Eingang der LAGA in Beelitz
Vor dem Eingang der LAGA in Beelitz

Anschließend besuchten wir den Spargelhof in Klaistow, der jahreszeitlich bedingt jetzt zum Kürbishof mutiert war. Das Thema „Kürbis“ bestimmte die umfangreiche Mahlzeit im dortigen Restaurant, es gab Kürbissekt und Kürbiswein zum Trinken und zum Abschluss konnten wir die fantasievolle Kürbisausstellung im Hof bewundern. Für unsere polnischen Gäste war es durchaus überraschend, dass sie im dortigen Restaurant auf Polnisch

Kürbis in Klaistow
Kürbis in Klaistow

angesprochen wurden, denn viele Mitarbeitende dort sind polnischer Herkunft.

Im Anschluss unternahmen wir einen Spaziergang durch das Gelände des ehemaligen Sanatoriums Beelitz-Heilstätten. Darauf hatte sich Monika sehr gut vorbereitet, und da sie perfekt zweisprachig ist, konnte sie auch unseren polnischen Mitgliedern die bewegte Geschichte des Sanatoriums hervorragend vermitteln.

Da viele Mitglieder im Hotel übernachteten, fanden wir uns an beiden Tagen nach dem gemeinsamen Abendessen noch im Hotel zu gemütlichen Abenden zusammen. Am Sonnabend nutzten wir diese

Abends im Restaurant
Abends im Restaurant: Über zwanzig Gäste

Zusammenkunft ebenfalls, um die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern zu feiern.

Der Sonntag brachte uns wieder einen Ausflug in die Geschichte. Der Besuch des Teufelsbergs in Berlin machte den Anfang. Hier auf diesem Trümmerberg aus den Ruinen des 2. Weltkrieges hatten die US-Alliierten während der Zeit der Teilung Berlins eine Radarstation errichtet. Nach dem Abzug der Alliierten verfiel das Gelände und wurde – ebenso wie die Beelitz-Heilstätten – zu einem der berühmten „lost places“, die zahlreiche Kunstschaffende anzogen. Heute ist aus der Anlage eine riesige Kunstgalerie mit Wandbildern, Graffitis und Skulpturen geworden, die teilweise wirklich

Alte Radarstation auf dem Teufelsberg
Alte Radarstation auf dem Teufelsberg

beeindruckend sind. Ein kleines, integriertes Alliierten-Museum, nicht zu verwechseln mit dem großen in der Clayallee, machte den Besuchern deutlich, wie die Verhältnisse nach dem Krieg und während der sowjetischen Berlin-Blockade waren.

Nach herrlichem Kaffee und leckeren Kuchen im Café des

Graffitti auf dem Teufelsberg
Graffitti auf dem Teufelsberg

Kunsthauses Dahlem fuhren wir zum unweit gelegenen ‚richtigen‘ Alliierten-Museum, das die Zeit des Kalten Krieges anhand zahlreicher Exponate dokumentiert. Toll war, dass zufällig eine Mitarbeiterin polnischer Herkunft war. So konnte sie unseren polnischen Besuchern viel erklären. Und sie tat es mit einer sichtlichen Begeisterung und Leidenschaft. Außerdem stellte sich heraus, dass eines unserer Mitglieder, Achim, ein authentischer Zeitzeuge war, der zu vielen

Britischer Rosinenbomber
Britischer Rosinenbomber auf dem Gelände des Alliierten-Museums in der Berliner Clayallee

Ausstellungsstücken aus eigenem Erleben interessante Informationen beisteuern konnte. Besuch beider Museen führte uns eindringlich wieder vor Augen, wie entsetzlich grausam Kriege und ihre Folgen sind.

Mit dem Wetter hatten wir absolut Glück gehabt, was unsere Reisen und Begegnungen häufig auszeichnet. Auch dieses Mal war es so. Als es in Beelitz stürmte, waren

Zeitzeuge Achim
Zeitzeuge Achim erzählt, was er erlebt hat

wir in dem Gebäude der Beelitz-Heilstätten, und als es in Dahlem regnete, standen und saßen wir gerade in einem alten Rosinenbomber der Engländer, der auf dem Gelände des Alliierten-Museums steht.

Damit endete das ereignisreiche, anregende, unterhaltsame und fröhliche Wochenende der Begegnung. Wir hoffen, dass es ihnen wie allen anderen in guter Erinnerung bleiben wird.

 

 

 

 

 

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