Ein Wochenende der Begegnungen – Sąsiedzi: aus Nachbarschaft wird Freundschaft

Im Unterschied zu vielen anderen deutsch-polnischen Vereinen lebt die

Gruppenbild vor historischer Kulisse
Gruppenbild vor historischer Kulisse des Schlosses Cecilienhof

Hälfte der Mitglieder der GdpN-Sąsiedzi auch in Polen, sodass persönliche Begegnungen immer eine besondere Herausforderung sind: seien es die Terminfindung, die Unterbringung oder natürlich auch finanzielle Aspekte. Nach der langen coronabedingten Auszeit, die nur durch zwei Kajaktouren in Polen unterbrochen werden konnte, entwickelte sich bei unseren Poznańer Mitgliedern das starke Bedürfnis, die Mitglieder in Potsdam und Umgebung endlich wieder zu treffen, gemeinsam aktiv zu sein und miteinander zu reden. Dieser Wunsch wurde von der Potsdamer Seite freudig begrüßt und wir machten uns daran, ein vielseitiges Programm für das Wochenende Mitte September zusammenzustellen.

Eine gute Gelegenheit bot dabei das Sommerfest der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V. in Potsdam am Freitag. Ein bunter Mix an Menschen und ein interessantes Programm, angereichert durch tollen Kuchen, leckeres Essen und diverse Getränke, zu haben für einen schmalen Taler, erwarteten uns. Es bot unseren polnischen Mitgliedern die Möglichkeit, Offizielles und öffentliches Feiern hier in Deutschland hautnah zu erleben. Für Polinnen und Polen sicher ungewöhnlich war das lockere Auftreten unseres Potsdamer Oberbürgermeisters Mike Schuber. In Polen wäre da sicher vieles sehr viel formeller.

eBike-Stopp vor dem Brandenburger Landtag
eBike-Stopp vor dem Brandenburger Landtag

Für den Samstag war eine Radtour geplant, die sportliches Tun mit kulturellen und historischen Themen kombinierte. Ausgestattet mit hilfreichen E-Bikes starteten wir am S-Bahnhof Griebnitzsee und erkundeten zunächst die Potsdamer Innenstadt. Anschließend radelten wir durch den Park Sanssouci, den Uferweg am Jungfernsee entlang und durch den Neuen Garten. Über die geschichtsträchtige Glienicker Brücke gelangten wir nach Berlin, wo wir der Havel bis zum Wannsee folgten. Dort machten wir Halt vor dem ‚Haus der Wannsee-Konferenz‘, zu dessen Besuch leider diesmal die Zeit fehlte. Die mittlerweile erforderliche Pause machten wir bei in der Nähe wohnenden Mitgliedern, die für unsere Gruppe ein reichhaltiges Mittagessen vorbereitet hatten.

So gestärkt ging es weiter, diesmal auf den Spuren einer anderen

Früherer Grenzkontrollpunkt Dreilinden
Früherer Grenzkontrollpunkt Dreilinden

Geschichte. Wir fuhren auf der ehemaligen Trasse der alten Transitautobahn, die inzwischen von viel Grün überwachsen ist. Am früheren Grenzkontrollpunkt Dreilinden existieren noch manche Überreste aus der Zeit der 50er und 60er Jahre, und daher war es besonders für unsere polnischen Gäste beeindruckend, eine ganz alte Grenzkontrollstelle noch erahnen zu können.

Abendlicher Besuch im Club der Polnischen Versager
Abendlicher Besuch im Club der Polnischen Versager

Nach rund 37 km auf dem Tagestacho kamen wir in Griebnitzsee an. Die Tour war lang gewesen und das Wetter eher mäßig, aber unsere Gruppe war noch voller Energie. Also verabredeten wir uns sofort für den Abend. Denn da stand auf besonderen Wunsch der Besuch des ‚Clubs der polnischen Versager‘ an. Begrüßt von Adam

Abendlicher Besuch im Club der Polnischen Versager_Musik
Abendlicher Besuch im Club der Polnischen Versager

Gusowski, einem Mitbegründer des CPV,

konnten unsere Gäste die besondere Atmosphäre dieses Ortes erleben. Gleichzeitig konnten sie sich aber auch über die Probleme informieren, die es mit sich bringt, diese für die deutsch-polnische Community so wichtige Begegnungsstätte zu erhalten.

Die Begrüßung
Die Begrüßung in Fichtenwalde

Am Sonntag öffnete ein weiteres Vereinsmitglied in Beelitz/Fichtenwalde für unsere Gruppe die Türen. Wieder wurden wir aufs Beste mit Speisen und Getränken aller Art versorgt. Sogar ein befreundeter Grillspezialist aus der Nachbarschaft eilte herbei, um uns mit seinen Künsten zu erfreuen.

Alle Teilnehmenden waren begeistert. Eine deutsch-polnische Begegnung

Zu Gast bei Freunden in Fichtenwalde_2
Lebhafter Austausch bei Freunden in Fichtenwalde

zwischen Freunden, Bekannten oder aber auch sich neu kennenlernenden Menschen. Die Bande sind nun noch intensiver, auch deswegen, weil ein Teil unserer polnischen Gäste in Privatquartieren deutscher Mitglieder unterkam.

Gerade diese persönlichen Begegnungen, das Kennenlernen unterschiedlicher Sichtweisen und die problemlose Möglichkeit, auch schwierige politische Fragen zu besprechen, machte dieses Wochenende besonders und macht auch die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi besonders, wenn nicht sogar einzigartig.

Zu Gast bei Freunden in Fichtenwalde
Zu Gast bei Freunden in Fichtenwalde

Und wer sich nun die Frage stellt, ob die unterschiedlichen Sprachen in irgendeiner Weise Hindernisse waren: Nein! Denn es gibt immer Menschen, die die Nachbarsprache so weit beherrschen, dass sie auch den anderen ein gutes Verständnis ermöglichen können und sie am Dialog teilhaben lassen. Und nicht zuletzt hilft auch der gute Wille, andere zu verstehen.

Wir können also rückblickend sagen: Die Konzeptidee der GdpN-Sąsiedzi ist genau die richtige gewesen. Wir können stolz und zufrieden sein und freuen uns auf zahlreiche weitere Begegnungen.

 

Christian Schmidt

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