Eine Verbindung zwischen Polen und Deutschen, Geschichte und Gegenwart – GdpN-Sąsiedzi e.V.

Die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. dürfte eine der wenigen deutsch-polnischen Vereine sein, die in Deutschland und Polen Mitglieder haben. Diese strukturelle Vernetzung schafft intensiviere Kontakte, die einen intensiven Austausch zu verschiedensten Anlässen ermöglichen.
Im Schwerpunkt haben wir Mitglieder in und um Poznań, aber auch in Warschau und Breslau.
Der letzte Besuch der Posener Gruppe fand auf dem Spargelhof Klaistow statt. Hier fragte Jarek Stefański den Vorsitzenden der GdpN, ob er ihm nicht helfen kann, mehr über seinen Onkel Hieronim Jędrusiak herauszufinden. Viel war nicht bekannt. Lediglich der Verurteilungsort Zwickau und der Ort der 1942 erfolgten Hinrichtung Dresden.
Die Recherche begann und am Ende konnte mehr über Hieronim herausgefunden werden, als anfänglich zu erwarten war.
Eine spannende Geschichte, wie sich Geschichte und Gegenwart verbinden und gemeinsam die Zukunft geschrieben wird. Eigentlich ein guter Stoff für einen Dokumentarfilm zumal eine hochbetagte Schwester von Hieronim noch lebt.

Die Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden schrieb in einem Artikel darüber wie folgt:

Angehörige des in Dresden hingerichteten Hieronim Jędrusiak besuchen die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
10.12.19

Als Jarosław Stefanski sich an die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. wandte, um Näheres über seinen in Dresden hingerichteten Onkel herauszufinden, stellte deren Vorsitzender der den Kontakt zur Gedenkstätte Münchner Platz Dresden her.

Besucher der Gedenkstätte
Angehörige und Freunde des Hingerichteten Hieronim

Am 2. Dezember 2019 war es dann soweit: Gedenkstättenleiterin Birgit Sack durfte Mitglieder der Familie von Hieronim Jędrusiak aus drei Generationen in Dresden begrüßen.

Der junge Pole war im Alter von nur 21 Jahren am 24. August 1942 in Dresden hingerichtet worden. Er gehörte zu einer Gruppe von sieben jungen Männern, die sich im Frühjahr 1940 in Poznań gebildet hatte. Einige, darunter Hieronim Jędrusiak, hatten dasselbe Gymnasium besucht, bevor es von den deutschen Besatzern geschlossen wurde. Für eine überregional wirkende polnische Widerstandsgruppe fertigten die Mitglieder der Gruppe u.a. Skizzen von Gebäuden in der Altstadt von Poznań an, die von der deutschen Wehrmacht genutzt wurden. Bereits im September 1940 wurden die Sieben verhaftet.

Über Haftstationen im Gestapogefängnis Fort VII in Poznań, in Wronki und Berlin-Neukölln kamen die Jugendlichen nach Zwickau. Dort verurteilte das Oberlandesgericht Posen sie im Juli 1942 zum Tode. Zur Urteilsvollstreckung wurde die Gruppe nach Dresden verbracht. Am 24. August 1942 um 20.30 Uhr wurde das Todesurteil im Richthof des Dresdner Landgerichts vollstreckt.
Einem Rundgang am historischen Ort und in der ständigen Ausstellung schloss sich ein Besuch des Neuen Katholischen Friedhofs in Dresden an, wo die sterblichen Überreste der Sieben am 24. August 1942 bestattet wurden. Im Juni 1999 sprach Papst Johannes Paul II. fünf von ihnen in Warschau selig.
Gedenkstein für die SeliggesprochenenAn sie wird in einer Grab- und Gedenkanlage auf dem Friedhof namentlich erinnert. Die Frage der Familie, warum Hieronim Jędrusiak nicht in das Seligsprechungsverfahren einbezogen wurde, konnte Dr. Birgit Sack nicht mit Sicherheit beantworten.

Jarosław Stefanski äußerte den Wunsch, dort eine zusätzliche Gedenktafel mit dem Namen seines Onkels anzubringen. Die Leiterin der Gedenkstätte versprach, sich dafür einzusetzen. Sie freute sich besonders über ein Foto von Hieronim Jędrusiak, das nun Eingang in die ständige Ausstellung finden soll.“ (Die Nutzung des Textes erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden)

Christian Schmidt

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