Polen begegnen – gemeinsam feiern

+++(17.01.2020) Erfreulicherweise sind die Tickets quasi ausverkauft. Wer noch Lust auf die polska impreza hat und auf die Lesung bzw. das polnische Buffet verzichten kann, hätte noch die Chance zum ermäßigten Preis von 10 Euro bei polnischer, deutscher und sonstiger Partymusik zu tanzen. Es wird auch polnische Biere geben.+++

 

Unter dem Motto „Polen begegnen und gemeinsam feiern“ haben wir, nach langer Zeit mal wieder, einen polnischen Abend in Potsdam organisiert.

Der Schriftsteller Tomasz Różycki aus Opole wird aus seinen Werken auf Polnisch lesen. Natürlich werden die Texte auch auf Deutsch dargeboten.
Ein polnisches Buffet (nur nach Anmeldung und Überweisung des Eintrittspreises bis zum 29.01.2020) folgt. Ohne Buffet kostet der Eintrittspreis 10 Euro.

Nach dem Buffet wird gemeinsam gefeiert bei polnischer, deutscher und anderer Musik.
Die Kapazitäten der Räumlichkeiten sind begrenzt.
Anmeldungen ausschließlich über christian.schmidt@gdpn-sasiedzi.org
Anmeldungen mit Buffet werden erst wirksam nach Überweisung des Preises.

Der Abend wird (finanziell) getragen durch: GdpN-Sąsiedzi e.V., sans titre e.V. sowie BBAG e.V. (inkl. Opole Club) und durch viel ehrenamtliches Engagement.

Deutsch-polnische Gespräche am 9. Januar

Fliegender Holländer

Wir starten mit einem besonders interessanten Gast in die Serie der monatlich stattfindenden deutsch-polnischen Gespräche in Potsdam.

Wir freuen uns auf Wolfgang Templin. Wolfgang Templin war DDR-Oppositioneller, Mitbegründer von Bündnis 90 (später Bündnis 90/Die Grünen), Autor und Publizist. Und er ist bereits seit den 1970er Jahren mit Polen sehr stark verbunden.

Was ihn mit Polen verbindet und wie sich das auf sein Leben ausgewirkt hat und noch auswirkt, darüber reden wir mit Wolfgang Templin.
Wir laden ein zum Zuhören und Mitdiskutieren.

Wann? 09.01.2020, 19 Uhr
Wo? Restaurant „Zum Fliegenden Holländer“, Benkertstr. 5, 14467 Potsdam (im Herzen des Holländerviertels)

Wir bitten darum: Die Platzzahl ist begrenzt. Wer nicht regelmäßig zu den Gesprächen kommt, der möge sich bitte zuvor anmelden, so dass wir versuchen können, einen größeren Raum zu bestellen.

Eine Verbindung zwischen Polen und Deutschen, Geschichte und Gegenwart – GdpN-Sąsiedzi e.V.

Bekanntmachtung des Todesurteils

Die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. dürfte eine der wenigen deutsch-polnischen Vereine sein, die in Deutschland und Polen Mitglieder haben. Diese strukturelle Vernetzung schafft intensiviere Kontakte, die einen intensiven Austausch zu verschiedensten Anlässen ermöglichen.
Im Schwerpunkt haben wir Mitglieder in und um Poznań, aber auch in Warschau und Breslau.
Der letzte Besuch der Posener Gruppe fand auf dem Spargelhof Klaistow statt. Hier fragte Jarek Stefański den Vorsitzenden der GdpN, ob er ihm nicht helfen kann, mehr über seinen Onkel Hieronim Jędrusiak herauszufinden. Viel war nicht bekannt. Lediglich der Verurteilungsort Zwickau und der Ort der 1942 erfolgten Hinrichtung Dresden.
Die Recherche begann und am Ende konnte mehr über Hieronim herausgefunden werden, als anfänglich zu erwarten war.
Eine spannende Geschichte, wie sich Geschichte und Gegenwart verbinden und gemeinsam die Zukunft geschrieben wird. Eigentlich ein guter Stoff für einen Dokumentarfilm zumal eine hochbetagte Schwester von Hieronim noch lebt.

Die Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden schrieb in einem Artikel darüber wie folgt:

Angehörige des in Dresden hingerichteten Hieronim Jędrusiak besuchen die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
10.12.19

Als Jarosław Stefanski sich an die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. wandte, um Näheres über seinen in Dresden hingerichteten Onkel herauszufinden, stellte deren Vorsitzender der den Kontakt zur Gedenkstätte Münchner Platz Dresden her.

Besucher der Gedenkstätte
Angehörige und Freunde des Hingerichteten Hieronim

Am 2. Dezember 2019 war es dann soweit: Gedenkstättenleiterin Birgit Sack durfte Mitglieder der Familie von Hieronim Jędrusiak aus drei Generationen in Dresden begrüßen.

Der junge Pole war im Alter von nur 21 Jahren am 24. August 1942 in Dresden hingerichtet worden. Er gehörte zu einer Gruppe von sieben jungen Männern, die sich im Frühjahr 1940 in Poznań gebildet hatte. Einige, darunter Hieronim Jędrusiak, hatten dasselbe Gymnasium besucht, bevor es von den deutschen Besatzern geschlossen wurde. Für eine überregional wirkende polnische Widerstandsgruppe fertigten die Mitglieder der Gruppe u.a. Skizzen von Gebäuden in der Altstadt von Poznań an, die von der deutschen Wehrmacht genutzt wurden. Bereits im September 1940 wurden die Sieben verhaftet.

Über Haftstationen im Gestapogefängnis Fort VII in Poznań, in Wronki und Berlin-Neukölln kamen die Jugendlichen nach Zwickau. Dort verurteilte das Oberlandesgericht Posen sie im Juli 1942 zum Tode. Zur Urteilsvollstreckung wurde die Gruppe nach Dresden verbracht. Am 24. August 1942 um 20.30 Uhr wurde das Todesurteil im Richthof des Dresdner Landgerichts vollstreckt.
Einem Rundgang am historischen Ort und in der ständigen Ausstellung schloss sich ein Besuch des Neuen Katholischen Friedhofs in Dresden an, wo die sterblichen Überreste der Sieben am 24. August 1942 bestattet wurden. Im Juni 1999 sprach Papst Johannes Paul II. fünf von ihnen in Warschau selig.
Gedenkstein für die SeliggesprochenenAn sie wird in einer Grab- und Gedenkanlage auf dem Friedhof namentlich erinnert. Die Frage der Familie, warum Hieronim Jędrusiak nicht in das Seligsprechungsverfahren einbezogen wurde, konnte Dr. Birgit Sack nicht mit Sicherheit beantworten.

Jarosław Stefanski äußerte den Wunsch, dort eine zusätzliche Gedenktafel mit dem Namen seines Onkels anzubringen. Die Leiterin der Gedenkstätte versprach, sich dafür einzusetzen. Sie freute sich besonders über ein Foto von Hieronim Jędrusiak, das nun Eingang in die ständige Ausstellung finden soll.“ (Die Nutzung des Textes erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden)

Christian Schmidt

Deutsch-polnische Gespräche in Potsdam am 5. Dezember 2019

Fliegender Holländer

Die letzten deutsch-polnischen Gespräche in diesem Jahr stehen wieder im Zeichen der Literatur und der persönlichen Perspektiven auf die eigene Geschichte.
„Kindheit in Deutschland / Kindheit in Polen“ ist eine Anthologie von persönlichen Geschichten.
An diesem Abend werden Justyna Fijałkowska und Heinrich von der Haar sozusagen aus ihren Leben lesen. Dabei geht es nicht zwingend um Biografien, sondern um Verarbeitung der eigenen Erfahrungen.

Die beiden Perspektiven unterscheiden sich nicht nur durch die Herkunft, sondern auch durch die Generationen: Justyna, Jahrgang 1978 ist in Toruń geboren, Heinrich von der Haar, 1948 im Münsterland.

Aber vielleicht unterscheiden sich die Perspektiven von Kindern auch garnicht so sehr. Wir sind gespannt, werden darüber diskutieren und laden herzlich ein, mitzudiskutieren.

Wann? 05.12.2019, 19 Uhr
Wo? Restaurant „Zum Fliegenden Holländer“, Benkertstr. 5 (im Herzen des Holländerviertels), 14467 Potsdam.

 

16. Sternenmarkt – weihnachtliche Begegnung mit Polen in Potsdam – Wir sind dabei

Nunmehr sind wir schon das 7. Mal auf dem Sternenmarkt präsent. Es macht immer wieder Spaß, mit den Menschen zu reden und sie einzuladen, Polen näher kennenzulernen.

Der Sternenmarkt lädt bereits zum 16. Mal mit seiner stimmungsvollen Atmosphäre ein, die weihnachtlichen Traditionen unseres Nachbarlandes Polen zu erleben und landestypisches Kunsthandwerk und Spezialitäten zu entdecken. Polnische Künstler und Kunsthandwerker werden an über 60 Markständen ihre phantasievollen und kreativen Arbeiten anbieten. Von traditionellem Weihnachtsschmuck über Holzschnitzereien, Keramik, Körbe bis hin zu Lederwaren, Glaskunst und Schmuck. Die Genießer polnischer Spezialitäten erwartet eine reiche Auswahl an Süßem sowie Herzhaftem.

Der Sternenmarkt wird durch ein buntes Bühnenprogramm für Jung und Alt mit 15 Musik- und Theatergruppen und über 100 Künstlern begleitet.

Höhepunkte werden in diesem Jahr die Konzerte von Folkgruppen BUM BUM ORKeSTAR, Radical Village und Buraky sein. An der Programmgestaltung werden außerdem Chöre, Theater- und Trachtentanzgruppen sowie Zirkus- und Straßenkünstler teilnehmen.

Informationen über touristische Angebote in Polen, über Sprachangebote und die Arbeit von deutsch-polnischen Vereinen aus Berlin und Brandenburg wird es in der historischen Gewölbehalle des Kutschstalls geben.

Das alles wird vor der wunderbaren Kulisse des Kutschstallhofs und des Neuen Marktes in historischer Mitte Potsdams stattfinden. (Quelle: HBPG) 

Alle Infos zu Öffnungszeiten und Programm finden Sie hier: http://www.hbpg.de/sternenmarkt.html

Unser Stand befindet sich in der Halle mittig auf der rechten Seite.

Bei uns können Sie dort schon Eintrittskarten für unseren polnischen Abend am 15.02.2020 erwerben. An diesem Abend erwartet Sie etwas für Leib, Seele und Bewegung durch Musik!

Herzlich willkommen!

Deutsch-polnische Gespräche in Potsdam am 7. November 2019

Fliegender Holländer

Lesung und Diskussion

Die letzten zwei deutsch-polnischen Gespräche in diesem Jahr stehen im Zeichen der Literatur. Ein besonderes Highlight steht uns am 7. November bevor: Prof. Dr. Brygida Helbig-Mischewski ist zu Gast.

In ihrem wunderbaren Buch „Kleine Himmel“ setzt sie sich mit ihrer Familiengeschichte auseinander. Prof. Monika Wolting (Universität Breslau) führt in einer Rezension dazu aus: „Die Protagonistin – die fast 50-jährige Zuzanna, Tochter von Willi Keller alias Waldek Keler – begibt sich auf die schmerzhafte Suche nach der eigenen Identität und nach ihrer Familiengeschichte. Zuzanna lebt in London, ist geschieden, hat eine Tochter namens Milena und steckt vermutlich in einer schwierigen Lebensphase, „sie litt an Kraftlosigkeit und Traurigkeit“. Die Suche nach den eigenen „Wurzeln“ stellt für sie eine Form von Therapie gegen die depressive Verfassung dar. “ (Quelle: literturkritik.de – Der blinde Fleck in den kleinen Himmeln – Brygida Helbig erzählt über deutsch-polnische Identitäten)

Wir erwarten eine interessante Lesung mit einer spannenden Diskussion. und hoffen, das Kapitel der Deutschen in Galizien den Zuhörern und Mitdiskutierenden näher zu bringen.

Wann? 7. November 2019, 19 Uhr
Wo? Restaurant „Zum Fliegenden Holländer“, Benkertstr. 5, 14467 Potsdam (im Herzen des Holländerviertels)

Sie sind herzlich eingeladen. Um Voranmeldung wird aus Kapazitätsgründen gebeten. Bitte um eine kurze Mail an christian.schmidt@gdpn-sasziedzi.org

 

„Migration und Gute Arbeit“ bringt Probleme polnischer Arbeitnehmer an das Tageslicht – Besuch eines Brandenburger Beratungsprojektes

Sąsiedzi heißt auf Deutsch Nachbarn. Als Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. gilt dieses Wort nicht nur im zwischenstaatlichen Sinne. Es heißt auch, mal zu schauen, wo die Probleme zwischen den deutsch-polnischen Nachbarn hier im Land liegen.

In diesem Sinne trafen wir uns vor einiger Zeit mit dem Amtsdirektor von Gartz, Frank Gotzmann, und mit dem Berliner Projekt „Polnischer Sozialrat / Polska Rada Społeczna“.

Wir, Christian Schmidt und Jarosław Górski als Vertreter von Sąsiedzi, trafen uns nun mit Joanna Hubert und Magdalena Stawiana. Beide arbeiten in der Fachstelle für Migration und Gute Arbeit Brandenburg.

Was bedeutet gute Arbeit, haben wir uns gefragt? Geht es hier um die Frage: wie finde ich meine Berufung? Wie kann ich viel Geld verdienen? Nein, so ist es nicht. „Gute Arbeit bedeutet für uns, dass die rechtlichen Grundlagen der Arbeit beachtet werden und Arbeit ohne Ausbeutung, zu fairen Arbeitsbedingungen gestaltet wird.“ klärt Magdalena Stawiana auf. Es geht um. Das ist doch der Standard, dachten wir. Die Erfahrungen der Fachstelle zeigen, dass das nicht immer der Fall ist.

Joanna Hubert und Magdalena Stawiana bieten als Muttersprachlerinnen in der Fachstelle ratsuchenden Polinnen und Polen Beratung in Sachen Arbeitsrecht sowie Unterstützung in Fällen von Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung.

Die Fachstelle für Migration und Gute Arbeit Brandenburg mit Sitz in Potsdam berät auch in Frankfurt an der Oder sowie mobil in ganz Brandenburg – vertraulich, kostenlos und unabhängig von Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus, Zugehörigkeit zu Gewerkschaften und Arbeitserlaubnis. Bei Fragen zum Lohn, dem Arbeitsvertrag, Kündigung, Arbeitsschutz, Sozial- und Rentenversicherung und vielen anderen Themen rund um die Arbeit versucht die Fachstelle eine arbeitnehmerorientierte Lösung zu finden. Sie bietet aber ebenso Schulungen für Multiplikatoren an und Vernetzung regionaler Akteure. Sie organisiert auch Infoaktionen für migrantische Arbeitnehmer*innen in verschiedenen Branchen, wie Landwirtschat oder Transport. Gefördert wird die Fachstelle durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg.

Die Fachstelle berät in polnischer, deutscher, englischer, russischer, französischer Sprache, in Arabisch und.

Gleichzeitig bietet ihr Erfahrungsschatz Möglichkeiten der Beratung für die Brandenburger Landespolitik.

Wie verhält es sich nun bei den polnischen Migrant*innen und guter Arbeit im Sinne der Fachstelle? Naturgemäß wenden sich nur Menschen an die Fachstelle, die Probleme haben. Insofern besteht in der Fachstelle keine Übersicht über die insgesamte Lage der polnischen Migrantinnen und Migranten.  Jedoch ist klar festzustellen, dass manche Arbeitgeber jedes Mittel nutzen, um Geld zu sparen. Dazu nutzen sie die häufig nicht ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache bei migrantischen Kolleg*innen, aber auch ihre Unkenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland aus. Und das passiert unabhängig von der Herkunft der MigrantInnen.

Hier helfen dann Joanna Hubert und Magdalena Stawiana weiter. Der Stellenansatz ist gering, wenn man bedenkt, dass Polinnen und Polen die größte  Einwanderergruppe aus dem europäischen Raum in Brandenburg ist.

Zu bedenken ist, dass sich nur Migrant*innen an sie wenden, die davon Kenntnis haben. So werden viele Anfragen erst dort gestellt, wenn die beiden die Flyer der Fachstelle mit Informationen verteilt haben. Überall im Land Brandenburg können sie nicht immer gleich präsent sein.

Konstatieren kann man, dass die Fachstelle ein sehr guter Ansatz ist, der eigentlich ausgebaut werden müsste – und zwar dringend. Denn, so ergaben damals die Gespräche mit dem Polnischen Sozialrat in Berlin: Wo die Beratung für ein Problem erfolgt, erkennt man schnell, dass noch viele andere Probleme vorhanden sind, die dringend gelöst werden müssten. Das Projekt Migration und Gute Arbeit Brandenburg berät und betreut jedoch nur arbeits- und sozialrechtliche Fragen– und die zweiten nur in bestimmten Fällen. Andere Probleme müssen sie ausblenden und an andere Stellen verweisen.

Ein Fazit

Wird den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht umfassend frühzeitig begegnet, können diese sich zu größeren Problemen entwickeln, mit der dann die hiesige Gesellschaft umgehen muss. Die Fachstelle leistet viel, ist aber, was das Personal anbetrifft, nicht ausreichend aufgestellt, um alle migrantischen Arbeitnehmer*innen zu erreichen und arbeitsrechtlich zu beraten. Hier vergibt sich das Land, trotz des positiven Ansatzes, eine Chance der Integration vieler Migrant*innen, auch diesen aus unserem Nachbarland Polen.

Informationen zum Projekt und seiner Beratungsmöglichkeiten kann man finden unter: http://www.berlin.arbeitundleben.de/migration-und-gute-arbeit/fachstelle-migration-und-gute-arbeit-brandenburg.html

Christian Schmidt (Vorsitzender GdpN-Sąsiedzi e.V.) / Jarosław Górski (stellvertretender GdpN-Sąsiedzi e.V.)

 

Deutsch-polnische Gespräche am 9. Oktober in Potsdam

Fliegender Holländer

Anstelle des Journalisten Jacek Lepiarz, der leider absagen musste, begrüßen wir am 9. Oktober Patryk Szostak. Patryk Szostak ist gerade Pressesprecher des Pilecki-Instituts in Berlin geworden.
Vorher war er aber am Warschauer Institut Wolności / Institut der Freiheit (einem eher konservativen Think Tank) tätig.
Aufgewachsen im Westen Deutschlands hat er Land, Leute und Politik kennengelernt. Mit 16 Jahren zog seine Familie mit ihm nach Polen.
Später studierte Patryk Szostak Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaft in Breslau und in Wales (England).
Durch seine analytische Brille wollen wir auf die deutsche und polnische Gesellschaft und Politik schauen.

Es wird also ein spannender Abend, zu dem wir herzlich einladen, zum Zuhören und Mitdiskutieren.

Wann: 09.10.2020, 19 Uhr
Wo: Restaurant „Zum Fliegenden Holländer“, Benkertstr. 5, 14467 Potsdam (im Herzen des Holländerviertels)

 

Menschen und ihre Perspektiven – Ein Ausflug nach Łódź

Blick auf die ul. Piotrkowska

Wie in jedem Jahr organisierte die GdpN-Sąsiedzi einen Ausflug in das zentralpolnische Łódź (Lodsch, gesprochen: Wuhtsch). Jeder kennt den Namen dieser drittgrößten polnischen Stadt, und doch ist sie immer noch eine Art Geheimtipp. Und so verwunderte es auch nicht, dass von den vierzehn Mitreisenden die Mehrheit noch niemals dort war.

Der Wochenendausflug vom 12. – 15. September 2019 hinterließ einen bleibenden Eindruck von der Schönheit und der Vielfältigkeit der Stadt. Niemand, auch nicht die Mitreisenden mit polnischen Wurzeln, hätte gedacht, wie interessant diese Stadt mit ihrer Fülle an historischen, zum großen Teil bereits sorgsam restaurierten Bauten ist. Aber auch moderne Architektur und fantasievolle Fassadenmalereien lassen sich in Łódź immer wieder bewundern. Wenn die Sąsiedzi (Nachbarn) reisen, dann steht allerdings der Kontakt zu Menschen und ihren Perspektiven im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die touristische Seite der Stadt, so sehenswert diese auch sein mag, ist da eher ein Nebenaspekt.
In diesem Jahr nun hatten wir wieder ein ganz besonderes Programm mit ungewöhnlichen Perspektiven.

Der Freitag war dem Austausch mit den Menschen gewidmet, die in zwei nicht nur für die Stadt wichtigen Einrichtungen tätig sind. Am Vormittag besuchten wir die Bereitschaftspolizei (Oddział Prewencji Policji / OPP) in Łódź. Aneta Sobieraj von der Pressestelle der KWP (Wojewodschaftskommandantur, vergleichbar mit einem Landespolizeipräsidium) und Marek Włodarczyk von der OPP, waren unsere Gastgeber. Marek Włodarczyk. vermittelte uns in seinem Vortrag einen interessanten Überblick über die Arbeit der dortigen Bereitschaftspolizei. Er erläuterte ihre Aufgaben und benannte auch die Herausforderungen, die z.B. durch aggressiv auftretende Pseudo-Fussballfans entstehen.

Anschließend durften wir auf dem Außengelände die Ausrüstung und die Technik der Polizei betrachten. Das waren Einblicke in die Arbeit einer Polizei, die man dieser anschaulichen Form nur äußerst selten bekommen kann. Die Reisenden bestaunten die Schusswaffen, die Gummigeschosse, aber auch die Wasserwerfer. Nicht minder interessant war eine kurze Übung, die uns die Einsatztaktik während einer gewalttätigen Demonstration präsentierte.

Alle Besucher waren sehr beeindruckt von der Professionalität und der modernen Technik, die kaum jemand so erwartet hatte. Auch die beiden Begleiter, Aneta Sobieraj und Marek Włodarczyk, überzeugten durch ihre sympathische, professionelle und offene Art, die hinter die Kulissen einer für die meisten unbekannten Welt blicken ließ.

Am Nachmittag fuhren wir dann zu der Firma Schrag Polska Sp. z.o.o, die seit 1999 in Polen an diesem Standort existiert. Die Firma produziert Blechprofile für den Baustoffmarkt. Tadeusz Zielke, der Geschäftsführer, nahm sich die Zeit und informierte uns persönlich über die Historie der Firma. Diese stammt ursprünglich aus Deutschland, wird jedoch in Polen von einem rein polnischen Leitungsteam geführt, das in seinen Entscheidungen autonom ist. Sehr erfrischend vermittelte Herr Zielke uns die Herausforderungen seiner Firma am Markt, die den Vergleich mit deutschen Firmen nicht scheuen muss. Im Gegenteil, die Firmenphilosophie ist beispielgebend. Der Umgangston wird durch das Ziel bestimmt, zufriedene Mitarbeiter zu haben, die sich fair behandelt fühlen und sich der Firma verbunden wissen. Daher werden die Mitarbeiter, wo es geht, gefördert. Sie können sich innerhalb der Firma weiter qualifizieren und so sogar ein Studium absolvieren. Diese Art des Umgangs soll sich nicht nur günstig auf die Firma und ihre Mitarbeiter auswirken, sondern auch die Gesellschaft insgesamt positiv beeinflussen. Ein Rundgang durch die Firma und Erläuterungen zu der Produktion schlossen den rund dreistündigen Besuch ab.

Der Samstag war durch eine Stadtführung aus der Perspektive der jungen Leute geprägt. Magdalena Grzybowska, Doktorandin der Germanistik, führte uns nachmittags durch ‚ihr‘ Łódż. Sie zeigte uns Interessantes, wozu auch ihre Wirkungsstätte, die Universität, zählt. Ein unerwartetes Highlight auf dieser Stadttour war der Besuch der kultigen Szenekneipe Niebostan, die äußerst kreativ eingerichtet ist und gerne und zahlreich zum Feiern und Chillen angesteuert wird.

Bevor wir danach unser Hotel „Stare Kino“ in der ul. Piotrkowska aufsuchten, machten wir noch Halt im Restaurant „Anatewka“. Dieses, zumindest vom Stil her, jüdische Restaurant bot eine tolle, traditionelle Küche und lieferte damit einen guten Ausklang der Reise.

Wie immer, wenn wir unterwegs sind, blieb Zeit, die Stadt noch etwas selbst zu erkunden und spannende Ziele für eine spätere individuelle Reise auszuwählen. Bisher noch unentdeckte Sehenswürdigkeiten für eine weitere Fahrt gibt es auf jeden Fall reichlich!

Christian Schmidt / Renate Rode